Die diesjährige Frankfurter Buchmesse zeigt eine Branche, die sich wahrscheinlich mit dem umfassendsten Paradigmenwandel seit Einführung der Druckerpresse neu erfindet. Es entstehen derzeit vollkommen neue Zusammenhänge, Produktideen und Geschäftsmodelle.
Die Digitalisierung des Buchmarktes betrifft alle – die Händler, die Verlage, die Autoren. Einige merken es schon. Andere glauben es noch nicht.
Der Umsatz mit gedruckten Büchern schrumpft, der mit elektronischen Büchern vervielfacht sich von Jahr zu Jahr. Buchhandlungen werden geschlossen, neue Anbieter digitaler Dienstleistungen treten auf. Vor diesem Wandel traf sich die Branche zur Buchmesse in Frankfurt. Dort stellten 7400 Unternehmen aus 104 Ländern ihre Produkte aus. Das Hauptkontingent waren Verlage mit ihren gedruckten Büchern.
Aber auch der Unterhaltungelektronik-Hersteller Sony war in Frankfurt, Nintendo stellte seine Fernsehkonsole WiiU erstmals einem größeren Publikum vor, und viele Dienstleister und Entwickler von Applikationen für Smartphones und Tabletcomputer waren erstmals auf einer Buchmesse.
Ein kurzes Fazit:
Die Zahlen sind für Außenstehende zunächst verwirrend: Der Umsatz der deutschen Buchbranche (Verlage und Händler) ist bis Ende September um 2 Prozent gesunken, was nicht dramatisch klingt. Die meist von einem Inhaber geführten kleinen Buchhandlungen aber haben knapp 5 % verloren, was manche Existenz kostet. Viele Experten gehen zudem davon aus, dass sich die Verkaufsfläche im Bucheinzelhandel in den kommenden Jahren halbieren wird. Aber der Umsatz wandert währenddessen woanders hin:
- 15 Prozent aller Bücher werden heute schon per Internet bestellt.
- Ebenfalls am Einzelhandel vorbei geht der Umsatz mit elektronischen Büchern.
Und hier ist das stärkste Wachstum zu verzeichnen: Der Umsatz mit elektronischen Büchern wächst um mehr als 100 Prozent im Jahr. Das Niveau ist zwar noch niedrig. Der Umsatz macht erst knapp 3 Prozent des Buchhandelsumsatzes von knapp 10 Milliarden Euro aus. Alle Experten sind sich aber einig, dass der Anteil der elektronischen Bücher stark steigen wird. In den Vereinigten Staaten ist jedes fünfte verkaufte Buch bereits ein elektronisches. Und auch für Westeuropa deuten die Zahlen über verkaufte Lesegeräte an, dass das elektronische Buch ein Wachstumsträger bleibt. Die Zahl der verkauften Lesegeräte hat bis Ende September um 93 Prozent zugenommen verglichen mit dem Vorjahr, der Umsatz mit Tabletcomputern sogar um 142 Prozent.
Mit dieser stark wachsenden Verbreitung von mobilen elektronischen Lesegeräten steigt auch das Interesse der Deutschen an elektronischen Büchern kräftig. Nach einer Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom lesen derzeit 11 Prozent aller Bundesbürger E-Books auf Tabletcomputern, Smartphones und E-Book-Readern. Das sind rund acht Millionen Menschen. Vor zwei Jahren sah die Lage noch anders aus. Im Frühjahr 2010 hatten 4 Prozent der Deutschen (2,9 Millionen Menschen) angegeben, die Anschaffung eines E-Books überhaupt in Erwägung zu ziehen.
Elektronische Publikationen finden vor allem bei Männern Anklang:
- 16 Prozent der Männer lesen elektronische Zeitungen, aber nur 10 Prozent der Frauen.
- 12 Prozent der Männer lesen elektronische Sachbücher, bei den Frauen sind es nur 4 Prozent.
- Lediglich im Bereich Belletristik ist das Verhältnis umgekehrt: 10 Prozent aller Frauen in Deutschland lesen Schöngeistiges als E-Book, aber nur 8 Prozent der Männer.
Mit der Digitalisierung der Inhalte sind neue Anbieter wie Internet-Plattformen, Lesegeräthersteller und Self-Publishing-Anbieter auf den Markt gekommen. Der Markt rund um das elektronische Verlegen expandiert.
Wie sich das Verlegen künftig entwickeln wird, zeichnet sich heute erst schemenhaft ab. Sicher ist nur, dass es auch künftig auf gute Inhalte ankommt. Aber ihre Entstehung und Vermarktung werden sich grundsätzlich von der heutigen Form unterscheiden. Leser können schon heute über elektronische Kanäle Bücher so preiswert bekommen wie noch nie – bis hin zum Nulltarif auf Plattformen für kostenlose E-Books. Diese Plattformen bieten auch Autoren die Möglichkeit, den Kontakt zum Leser zu finden, ohne durch das Nadelöhr der Verlage zu müssen. Jeder kann seinen Text ins Internet stellen und zunächst einmal prüfen, ob sich Leser finden, bevor er sein Buch zum Drucken gibt. Denkbar ist in Zukunft die Gestaltung der Bücher vom Autor in Kooperation mit den Lesern, indem er deren Reaktionen mit einbaut. Wann dieses Buch dann als fertiges Produkt gilt, ist eine genauso offene Frage wie die Kompatibilität verschiedener Lesegeräte oder wie Urheberrechtsfragen. Dass aber noch nicht alle Einzelfragen gelöst sind, spricht nicht gegen die Entwicklung, die die Buchbranche durcheinander wirbelt.
Aber es sind nicht nur Neu- und Quereinsteiger wie unser amerikanischer Kunde mit seiner SaaS-Plattform eBooks in Motion oder die Münchener Internetplattform BookRix, die neue Möglichkeiten erkennen und nutzen. Auch der traditionelle Verlag Droemer bietet mit neobook eine Self-Publishing-Plattform, auf der schon knapp 20 000 Autoren ihre Werke als eigene Verleger anbieten. Die Branche wird sich umstellen müssen, die Autoren, die Verlage und die Buchhändler.
Während E-Reader-Verkäufe in Westeuropa 2012 laut GfK um 93 Prozent zulegten, entwickelte sich der Umsatz mit Tablets noch dynamischer – er wuchs um 142 Prozent. Amazons europaweite Einführung des Kindle Fire im Oktober 2012 dürfte diesen Trend beflügeln. Angesichts dieser Entwicklung wird die Nachfrage nach multimedialen und interaktiven Verlagsinhalten steigen. Mit EPUB3 und HTML5 wurden zwei Standards eingeführt, die es Verlagen und Autoren ermöglichen, ihre E-Books kostengünstig mit Bildern, Videos und Musik anzureichern.
Die Fragen der vergangenen drei Jahre, ob, wie und wann das elektronische Buch kommt, sind inzwischen beantwortet. Das E-Book ist seit einem Jahr da und erobert sich seinen Markt mit Macht. Die E-Reader werden immer besser und preiswerter. Das iPad von Apple und vergleichbare Tabletcomputer begeistern immer mehr Kunden. Wenn man sein Kind fragt, was es sich zum 11. Geburtstag wünscht, so lautet die Antwort: Ich wünsche mir ein iPad.
Wir freuen uns diesen spannenden Weg mitzugehen!

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